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Im Gespräch: Claudia Weiler

Claudia Weiler, die Hauptdarstellerin der Nähsoap „vernäht und zugestrickt“ ist 42 Jahre alt und lebt in Berlin. Nach der Fachhochschulreife machte sie ihren Gesellenbrief als Damenschneiderin. 2001 setzte die Schneiderin aus Leidenschaft alles auf eine Karte – ihre Mission: Leuten auf ihre Weise das Nähen beizubringen!

Seit wann gibt es „vernäht und zugestrickt“?
Die Idee entstand 2003, als Konstantinos Toubekis eine Szene für einen Dokumentarfilm bei mir im Nähkurs drehte. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich ihm gleich vorschlug eine Dokumentation über unser Viertel – den Wranglkiez – zu drehen. Gemeinsam mit Regisseur Kim Sofer Matthias wuchs die Idee von der Nähsoap „vernäht und zugestrickt“. Der Trailer wurde dann im Mai 2005 gedreht und am 15. September 2006 zum ersten Mal auf FAB (Fernsehen aus Berlin) ausgestrahlt.

Was ist das Besondere an „vernäht und zugestrickt“?
Das Besondere ist, dass es real ist. Das wahre Leben, ohne doppelten Boden. Wir haben die Möglichkeit das zu präsentieren, was wir können – und zwar jeder von uns. Für mich ist es schön, dass wir auf diesem Weg die Leute dazu motivieren, selbst etwas zu tun und nicht ungefragt alles nehmen, was einem vorgesetzt wird.

Was hast Du mit deiner Rolle gemeinsam?
Claudia ist Claudia. In der Serie, wie im normalen Leben. Ich verstelle mich nicht. Nur im „richtigen Leben“ spreche ich schneller und benutze kein Make-up.

Wie bist Du zur Handarbeit gekommen?
Mit zarten 10 Jahren habe ich aus Badvorlegern Kleider für meine Barbie genäht, mit 15 Jahren aus Bettwäsche mein erstes Oberteil. Richtig „professionell“ wurde das Hobby mit meiner Schneiderlehre.

Was ist für dich das Schöne am Nähen?
Stell Dir vor, Du hast eine Gardine und plötzlich wird ein Brautkleid daraus. Du bist schlechter Dinge und häkelst um zur Ruhe zu kommen eine Mütze. Aus Altem etwas Neues zu machen, ist ein ganz magisches Gefühl, dass man mit nichts vergleichen kann.

Für welche Anlässe nähst Du?
In erster Linie für meinen Laden. Ganz oben auf der Liste stehen auch Outfits für verschiedene Bands und Moderatorinnen. Am liebsten nähe ich Kindersachen, Sakkos, Kleider, Unterwäsche, Tops und Jacken. Was mir weniger Spaß macht, sind Änderungen und Reparaturen am Reißverschluss.

Welche Rolle spielt das „Killerbeast“?
In der Serie ist das „Killerbeast“ Dreh- und Angelpunkt des Nähkurses. Was mir wichtig war: Der Laden ist nur Schauplatz und spielt keine eigene Rolle. Serie und Geschäft sind zwei unterschiedliche Kapitel in meinem Leben. Ansonsten ist das Killerbeast die Verwirklichung meines größten Traums und für mich, wie mein Zuhause.

Warum sollte man anfangen zu nähen?
Es geht darum, etwas mit seinen eigenen Händen entstehen zu lassen und dabei Selbstsicherheit zu gewinnen. Sich einfach mal etwas zuzutrauen. Das prägt.

Dein persönlicher Durchhalte-Tipp?
Aufgeben kann jeder! Dran bleiben macht stark – auch wenn der erste Nähversuch scheitert. Und vor allem die innere Befriedigung, wenn man trotz aller Schwierigkeiten etwas zu Ende bringt. Das ist der Kick!

Liegt Handarbeit im Trend?
Handarbeiten ist groß im Kommen – so viele Nähkurs-Anmeldungen, wie mir im Moment vorliegen. Außerdem gibt es immer mehr kleine Läden, die auf Wertigkeit und Individualität setzen. Eine schöne Wandlung. Dazu passt mein Motto auch ganz gut: Kill uniformity!

Das Interview führte Carolin Erlenbusch
Fotos: Paul Toronowski

 
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